Ungewollt kinderlos? Optionen bei unerfülltem Kinderwunsch

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Sich ein Kind herbeizusehnen und doch Monat für Monat mit der traurigen Tatsache konfrontiert zu werden, dass es wieder einmal nicht geklappt hat, schmerzt sehr. Allein in Deutschland lebt jede 10. Person zwischen 20 und 50 Jahren unfreiwillig ohne eigenen Nachwuchs. Ein unerfüllter Kinderwunsch strapaziert dabei einerseits die eigene Psyche, andererseits auch die Beziehung zum Partner oder der Partnerin. Nicht wenige denken folglich über die Alternativen nach, welche ihnen moderne medizinische Methoden bieten. Laut einer aktuellen Studie ziehen 28 % der Frauen in Deutschland eine künstliche Befruchtung in Erwägung. Doch welche Möglichkeiten birgt das Verfahren?

Diese Methoden zur künstlichen Befruchtung gibt es

Für eine künstliche Befruchtung gibt es viele verschiedene Vorgehensweisen. Von der In-vitro-Fertilisation (IVF) hast Du womöglich schon gehört. Hier werden Samen- und reife Eizellen außerhalb des Körpers in einem Reagenzglas zusammengeführt. Anschließend werden der Frau die bereits entwickelten Embryonen im sogenannten Embryonentransfer eingesetzt.

Ein weiteres gängiges Verfahren ist die Insemination. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn eine Störung der Samenproduktion vorliegt und es unwahrscheinlich ist, dass diese auf natürlichem Weg und in ausreichender Anzahl in die Gebärmutter gelangen. Bei der Insemination werden die Samenzellen also mithilfe eines Katheters in die Gebärmutter, bzw. in den Eileiter eingeführt.

Ähnlich wird bei der Spermieninjektion (ICSI) vorgegangen. Bei dieser wird jedoch nur ein einziges Spermium direkt in die Eizelle der Frau injiziert. Ist die Anzahl der Spermien eines Mannes sehr gering, kommen in der Regel die Methoden TESE oder MESA zum Einsatz. Bei ersterer werden die vorhandenen Spermien aus dem Hoden, bei zweiterer aus dem Nebenhoden gewonnen. Anschließend werden sie mithilfe der ICSI eingesetzt.

Eizellen einfrieren und Kinderwunsch vertagen?

18 % der Frauen in Deutschland können sich auch vorstellen, ihre Eizellen entnehmen und einfrieren zu lassen. Diese Methode wird als Kryo-Transfer bezeichnet. Die Eizellen können zu einem späteren Zeitpunkt mithilfe eines Embryonentransfers eingesetzt werden. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass weder die Kosten für das Einfrieren noch für den späteren Transfer der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter von der Krankenkasse übernommen werden. Pro Versuch belaufen sich diese auf rund 1.500 Euro. Andere Methoden werden in der Regel unter bestimmten Voraussetzungen mindestens bezuschusst.

Wann übernehmen Krankenkassen die künstliche Befruchtung?

Wie hoch die Kostenübernahme ausfällt, hängt ganz von den individuellen Angeboten der Kasse ab. Gesetzlich vorgeschrieben sind jedoch mindestens 50 %. Vorausgesetzt wird hierfür, dass das Paar miteinander verheiratet ist und lediglich Ei- und Samenzellen der Eheleute verwendet werden. Beide Partner:innen müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Für die Frau wurde zudem eine Altersgrenze von maximal 40 Jahren, für den Mann eine von 50 Jahren festgelegt. Zudem muss das Paar vor der Behandlung durch medizinisches Fachpersonal aufgeklärt werden.

Künstliche Befruchtung – nicht ohne Risiken

Wie jeder andere medizinische Eingriff gehen auch künstliche Befruchtungen mit nicht ausschließbaren Komplikationen einher. Die behandelnden Ärzt:innen sind dazu verpflichtet, vor Behandlungsbeginn über etwaige Risiken aufzuklären. Abhängig von der gewählten Methode können während der Hormonbehandlung bei der Frau Atemnot, Schmerzen oder Blutgerinnungsstörungen auftreten. In der Regel verlaufen die Eingriffe zwar ohne nennenswerte Komplikationen, die Rate der erfolgreichen Geburten ist jedoch niedriger als bei natürlich empfangenen Kindern.

Sind Sorgen und Zweifel berechtigt?

Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind die Bedenken und Zweifel gegenüber der künstlichen Befruchtung seit 2013 stark angestiegen. Den größten Anstieg verzeichneten Befürchtungen rund um die Risiken durch die Stimulation der Eierstöcke und das Risiko der Behinderung des Kindes.

Doch wie berechtigt sind diese? Ein Blick in das IVF-Register zeigt: 99,2 % aller Behandlungen verliefen ohne Komplikationen. Die Geburtenrate nimmt jedoch mit jedem Lebensjahr über 40 stark ab. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt liegt bei einer 44 Jahre alten Patientin bereits bei 59 %. Und auch die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung soll dem Gemeinsamen Bundesausschuss zufolge sowohl bei der ICSI als auch bei der IVF deutlich höher sein als bei einer natürlichen Zeugung.

Künstliche Befruchtung: Chance oder Risiko?

Abschließend lässt sich sagen, dass die künstliche Befruchtung bereits hunderttausenden Kindern allein in Deutschland ein Leben ermöglichen konnte, welches auf natürlichem Weg wohl nie entstanden wäre. Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch erhalten so eine weitere Chance, ihren Traum doch noch wahr werden zu lassen. Dabei ist es allerdings wichtig zu verstehen, dass die künstliche Befruchtung längst keine Garantie für eine erfolgreiche Schwangerschaft und Geburt darstellt. Wer sich einzig und allein auf die Möglichkeiten der modernen Medizin verlässt, um den Kinderwunsch so lang wie möglich vertagen zu können, wird am Ende vielleicht bitter enttäuscht.

Für viele Paare ist die künstliche Befruchtung ein Segen. Allerdings sollten im Vorfeld alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Ich habe einen hilfreichen Beitrag dazu geschrieben, wie Du Deine Eizellqualität verbessern kannst. Auch ein Ovulationstest kann dabei helfen, einfacher schwanger zu werden. Eine Behandlung mit Hormonen ist kein Spaziergang. Die Frauen, die sich dazu entscheiden, werden über die Risiken aufgeklärt und sind sich der möglichen Nebenwirkungen meistens bewusst.

Hast Du eine künstliche Befruchtung hinter Dir oder spielst mit dem Gedanken? Lass gerne andere Frauen an Deinen Erfahrungen teilhaben und berichte in den Kommentaren. So können wir uns gegenseitig bei Entscheidungsfindungen helfen.

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