Verhütung ohne Hormone: Welche Methode ist sicher?

Verliebtes Paar im bett verhuetung ohne Hormone

Die Anti-Baby-Pille ist das häufigst verwendete Verhütungsmittel in Deutschland. Rund 52 Prozent1 der Paare verhindern eine Schwangerschaft damit. Unter der Gruppe der 18- bis 20-Jährigen sind es sogar 80 Prozent2. Was meist weniger bekannt ist, sind die schweren Nebenwirkungen von hormonellen Verhütungsmitteln. So können die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder die Verwendung der Hormonspirale zu Thrombose, Embolie, Depression, Akne, Bauchschmerzen, Eierstockzysten, Entzündungen und Verletzungen im Genitalbereich führen. Das wollen wir nicht! Deshalb zeige ich Dir jetzt, wie natürliche Verhütung ohne Hormone funktioniert und wie sicher hormonfreie Verhütungsmittel sind?

Was versteht man unter natürlicher Verhütung ohne Hormone?

Verhütung ohne Hormone bedeutet, dass eine Schwangerschaft auf natürliche Weise und ohne den Einsatz hormoneller Mittel verhindert wird. Wer hormonfrei verhütet, nutzt wahlweise Verhütungsmittel wie das Kondom, welche eine Barriere zwischen Ei- und Samenzellen bilden. Alternativ werden auch fruchtbare und unfruchtbare Tage im Zyklus identifiziert und entsprechend der Geschlechtsverkehr darauf abgestimmt. Bewehrt hat sich die Kombination aus Körperbeobachtung und mechanischen Verhütungsmitteln, wie zum Beispiel die gleichzeitige Anwendung der symptothermalen Methode (auch bekannt als NFP – Natürliche Familienplanung) und des Kondoms.

Damit wir verstehen, wie hormonfreie Verhütungsmethoden funktionieren, sehen wir uns zunächst einmal die Prozesse bei der Entstehung von neuem Leben an.

Was passiert bei einer erfolgreichen Befruchtung?

Wird ein Baby gezeugt, ist die Voraussetzung dafür im Normalfall der Geschlechtsverkehr, und zwar während der fruchtbaren Tage der Frau. Die fruchtbaren Tage liegen rund um den Eisprung herum – in der Zyklusmitte. Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit ist zwei Tage vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs am höchsten. Trifft während dieses Zeitraums die männliche Samenzelle auf das befruchtungsfähige Ei, können beide verschmelzen. Achtung, Spermien überleben im Körper der Frau bis zu fünf Tage. Nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut ein. Ein Baby wächst heran.

Es gibt also verschiedene Stellen, an denen die hormonfreie Verhütung eingreifen kann.

Wie funktioniert Verhütung ohne Hormone oder Pille?

  1. Identifikation der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage
  2. Verhinderung des Kontakts zwischen Spermien und Eizelle
  3. Störung des Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut

Welche hormonfreien Verhütungsmittel gibt es?

Willst Du hormonfrei verhüten, kannst Du entweder mechanische Hilfsmittel verwenden oder auf Körperbeobachtungen zurückgreifen.

Damit Du einschätzen kannst, wie sicher die aufgeführten Verhütungsmittel sind, habe ich versucht zu jedem Beispiel den Pearl-Index anzugeben.

Was ist der PEARL INDEX?

Der sogenannte Pearl-Index3 gibt an, wie sicher verschiedene Verhütungsmethoden sind. Je kleiner der Wert, desto geringer das Risiko schwanger zu werden. Ein Pearl-Index 0 gibt an, dass keine von 100 getesteten Frauen schwanger wurde, beim Pearl-Index von 6 sind sechs von 100 Frauen schwanger geworden.

Mechanische Verhütungsmittel

Diaphragma / Pessar

Beim Diaphragma oder Scheidenpessar handelt es sich um eine runde oder ovale Kappe aus Silikon mit einem Durchmesser zwischen 60 und 90 mm. Es wird in die Scheide eingeführt und soll den Muttermund dabei vollständig bedecken. Dadurch gelangen die Samenzellen nicht bis zur Eizelle. Das Diaphragma wird von den Scheidenwänden gehalten. Die passende Größe stellt der Gynäkologe individuelle für jede Frau fest. Achtung, wenn Du mehr als fünf Kilo an Körpergewicht zu- oder abnimmst, lass die Passgröße des Diaphragmas von Deinem Frauenarzt erneut kontrollieren.

Eingesetzt werden sollte das Diaphragma frühestens zwei Stunden, spätestens direkt vor dem Geschlechtsverkehr. Zusätzlich wird ein Verhütungsgel aufgetragen. Dieses macht die Spermien bewegungsunfähig. Bei dem Spermizid oder Spermiostatikum handelt es sich entweder um eine chemische Substanz oder ein Gel, das auf Milch- bzw. Zitronensäure basiert. Die Version auf Milch- bzw. Zitronensäurebasis wirkt natürlich auf die Beweglichkeit und Lebensdauer der Spermien ein.

Nach dem Sex sollte das Diaphragma mindestens für acht Stunden in der Vagina bleiben. Spätestens nach 24 Stunden solltest Du es allerdings entfernen. Mit dem Diaphragma kannst Du hormonfrei verhüten, es schützt allerdings nicht vor Geschlechtskrankheiten wie HIV.

Ein Diaphragma solltest Du auf keinen Fall einfach so bestellen oder kaufen, sondern vorher besser den Frauenarzt zur Größenberechnung konsultieren. In Bezug auf die Nebenwirkungen heißt es, dass die Verwendung des Diaphragmas häufiger Blasenentzündungen auslösen kann.

Geeignet für: Frauen, die Verhütung ohne Hormone bevorzugen. Sie sollten ihren Körper einigermaßen kennen und kein Problem mit dem Einführen des Diaphragmas in die Scheide haben.

Sicherheit: Pearl-Index 1 – 20 bei gleichzeitiger Anwendung von Diaphragma und Verhütungsgel.

Kosten: Je nach Modell rund 50 Euro zuzüglich Kosten von rund 10 Euro für das Spermizid.

Verhütungskappe / Portiokappe

Auch die Portiokappe gilt als Verhütungsmittel, das ohne Hormone auskommt. Es zählt, genau wie das Diaphragma und das Kondom, zu den Barrieremethoden. Die Form der Verhütungskappe erinnert an einen Fingerhut und funktioniert sehr ähnlich wie das Diaphragma. Auch sie muss vom Arzt angepasst werden. Die Verwendung in Kombination mit einem spermienabtötenden Gel wird empfohlen. Lass die Verhütungskappe ebenfalls mindestens 8 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr noch im Körper, dann sollten die Spermien alle abgestorben sein. Die Portiokappe wirkt übrigens ebenfalls nicht sexuell übertragbaren Krankheiten entgegen.

Sowohl das Pessar als auch die Portiokappe sind nicht für Frauen im Wochenbett geeignet oder für Personen, die an einer Fehlbildung der Geschlechtsorgane leiden oder eine massive Senkung der Gebärmutter haben. Der FemCap ist die neuste Entwicklung der Portiokappe.

Geeignet für: Gesunde Frauen, die kein Problem haben, die Portiokappe in die Vagina einzuführen.

Sicherheit: Pearl-Index 6 in Kombination mit Verhütungsgel oder -creme. Es scheint eine höhere Sicherheit bei Frauen zu geben, die zuvor noch keine Kinder bekommen hatten4.

Kosten: Der Preis liegt bei rund 50 Euro. Dazu kommen die Kosten für das spermienabtötende Gel in Höhe von etwa 10 Euro.

Kondom / Präservativ

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlichte eine Forschungsarbeit zum Verhütungsverhalten Erwachsener im Jahr 20185. Das Kondom liegt auf dem zweiten Platz hinter der Pille, konnte aber seit 2011 um 9 Prozentpunkte dazugewinnen. Die Pille dagegen fiel um 6 Prozentpunkte ab.

Beim Kondom handelt es sich um eine dünne Hülle aus Polyurethan (PUR), Polyisopren (PI) oder Naturkautschuk-Latex. Der Mann zieht es kurz vor dem Geschlechtsverkehr über den erigierten Penis. Dadurch können keine Spermien in die Gebärmutter eindringen. Menschen, die mit Kondom hormonfrei verhüten, sind zudem vor sexuell übertragbaren Krankheiten geschützt.

Es gibt verschiedenste Arten von Kondomen. Sie kommen in bunten Farben und unterschiedlichsten Größen etc. auf den Markt. Einige Hersteller nutzen Spermizide, um die Kondome noch sicherer zu machen. Einer der Verkaufsschlager unter den Kondomen ist das „Gefühlsecht Classic Kondomvon Durex.

Wichtig ist, dass die Anwendung korrekt erfolgt. Lange Fingernägel oder falsches Abrollen können das hauchdünne Material beschädigen. Bereits kleinste Löcher erhöhen das Risiko, beim Geschlechtsverkehr schwanger zu werden.

Geeignet für: Jeden, der sich vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten schützen möchte. Das Kondom kann mit anderen hormonfreien Verhütungsmethoden kombiniert werden.

Sicherheit: Pearl-Index 2 – 12

Kosten: 0,50 bis 1,00 Euro pro Stück

Frauenkondom

Das klassische Kondom für den Mann und das Frauenkondom sind sich sehr ähnlich. Beide zählen zu den Mitteln für die hormonfreie Verhütung. Das Frauenhormon ist ebenfalls aus Latex oder Polyurethan gefertigt. Es ist schlauchförmig und hat ein geschlossenes sowie ein offenes Ende. Das Frauenkondom wird vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt. Es bietet sowohl Schutz vor Schwangerschaft als auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Bewährte Modelle sind zum Beispiel die Frauenkondome von Pasante.

Geeignet für: Frauen, die sich aktiv vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen wollen. Viele Frauen verhüten mit Frauenkondom, wenn der Mann kein Präservativ verwenden möchte.

Sicherheit: Pearl-Index 5 – 25

Kosten: Zwischen 1,50 und 3,00 Euro

Intrauterinpessare

Die bekannteste Form der Intrauterinpessare ist die Spirale. Neben der Kupferspirale zählen aber auch die Kupferkette und der Kupferperlenball zur Kategorie Intrauterinpessare.

Das Intrauterinpessar wird in die Gebärmutter eingesetzt. Es kann dort rund 5 Jahre bleiben. Die genaue Verweildauer hängt vom Modell ab. Die Kupferspirale gibt Ionen ab, welche den Aufbau der Schleimhaut der Gebärmutter stören. So kann sich eine befruchtete Eizelle nicht oder nur schwer einnisten. Zudem schränken die Kupferionen die Beweglichkeit der Spermien ein. Je schlechter die Samenzellen vorankommen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft.

Zu den Nebenwirkungen der Intrauterinpessaren6 zählen verstärkte Menstruationsblutungen und Schmerzen. Außerdem muss ein Mediziner die Spirale oder die Kupferkette einsetzen. Auf Wunsch, insbesondere bei sehr ängstlichen Patientinnen, kann der Eingriff unter einer kurzen Narkose durchgeführt werden.

Geeignet für: Frauen in allen Altersklassen. In Deutschland herrscht das Vorurteil, dass Kupferkette oder Spirale nur für Frauen geeignet seien, die bereits ein Kind geboren hätten. Diese Annahme konnte wissenschaftlich nicht bestätigt werden. Auch jüngere Frauen profitieren von dieser sicheren Verhütung ohne Hormone.

Sicherheit: Der Pearl-Index liegt zwischen 0,3 und 0,8.

Kosten: Der Preis liegt zwischen 120 und 300 Euro.

Körperbeobachtung ohne Hilfsmittel

Coitus Interuptus

Beim sogenannten Coitus Interuptus wird der Geschlechtsverkehr kurz vor dem Samenerguss des Mannes unterbrochen, indem er den Penis aus der Scheide zieht. Die Verhütung passiert in diesem Fall dadurch, dass die Ejakulation außerhalb des Körpers der Frau stattfindet. Diese Methode zählt zu den ältesten Verhütungsmitteln der Welt, ist aber nicht wirklich sicher.

Geeignet für: Paare, die nicht unbedingt ein Kind wollen, aber dennoch ein gewisses Schwangerschaftsrisiko eingehen können / wollen. Einige Paare nutzen diese Methode, in Kombination mit der Basaltemperaturmethode und / oder der Zervixschleimauswertung, für Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen.

Sicherheit: Pearl-Index 4 – 18

Kosten: Keine

Kalendermethode

Damit diese Methode funktioniert, musst Du nicht nur richtig rechnen und ordentlich aufzeichnen können, Dein Zyklus sollte auch extrem regelmäßig sein. Bei der Kalendermethode schreibst Du über mindestens sechs Monate Deinen Zyklus mit. Der erste Zyklustag ist der Tag, an dem Deine Periode einsetzt. Der letzte Zyklustag ist der Tag, vor Deiner nächsten Regelblutung.

Zähle, ob die Abstände und somit die Zyklusdauern immer gleich lang sind. Ist dem so, kannst Du davon ausgehen, dass in der Mitte Deines Zyklus der Eisprung stattfindet. Die Fruchtbarkeit der Frau ist rund 24 Stunden vor und maximal 72 Stunden nach der Ovulation gegeben. In dieser Zeit solltest Du entweder auf Geschlechtsverkehr verzichten oder zu mechanischer Verhütung ohne Hormone greifen.

Grundsätzlich lohnt es sich immer, wenn Frauen ihren Körper und die darin stattfindenden Prozesse kennenlernen. Du solltest also auf jeden Fall Deine Zykluszeiten dokumentieren, um Dich und Deinen Organismus besser zu verstehen. Ansonsten ist die Methode nicht empfehlenswert, weil Stress, Ernährung, häufiges Reisen, Schichtdienst und andere Faktoren den Zyklus beeinflussen können. Es gibt übrigens gute Zyklus-Apps, in denen Du die Daten notieren und auswerten kannst.

Geeignet für: Frauen, die ihren Körper besser kennenlernen möchten und Nachwuchs gegenüber nicht abgeneigt sind.

Sicherheit: Pearl-Index 9

Kosten: Keine

Zervixschleimauswertung / Billingsmethode

Der Zervixschleim ist ein Sekret, das in den Drüsen der Gebärmutter gebildet wird. Seine Farbe und Konsistenz verändert sich im Laufe des Zyklus. Er gilt als eines der Symptome, um den Eisprung zu identifizieren.

  • Nach der Periode ist die Scheide eher trocken, es ist kaum Zervixschleim vorhanden bzw. er ist cremig / klebrig.
  • Kurz vor dem Eisprung ist das Scheidensekret flüssiger, eher durchsichtig und lässt sich spinnen.
  • Nach dem Eisprung wird der Zervixschleim zäher, klebriger und cremiger.

Verhütung mit der Zervixschleimmethode funktioniert insofern, dass Du anhand des Sekrets erkennst, wann der Eisprung stattfindet. In diesem Zeitraum kannst Du dann beispielsweise mit Kondom verhüten.

Die meisten Frauen beschäftigen sich viel zu wenig mit ihrem Körper. Ja, auch ich selbst hatte jahrzehntelang keine Ahnung von Zervixschleim oder Basaltemperatur. Deshalb dauert eine verlässliche Zervixschleimauswertung mehrere Zyklen. Wenn Du zur Verhütung ohne Hormone die Billingsmethode wählst, dann gehe wie folgt vor:

  • Nimm vor jedem Toilettengang den Schleim mithilfe von Toilettenpapier oder den sauberen Fingern auf und prüfe ihn.
  • Abends schreibst Du die beste Schleimqualität des ganzen Tages auf.
  • Am Ende des Monats kann Du sehen, wann Dein Eisprung stattgefunden hat.

Verhüten mit der Zervixschleimmethode funktioniert nur, wenn Dein Zyklus sehr regelmäßig ist. Die Problematik ist, dass Du immer erst im Nachhinein herausfinden kannst, wann Dein Eisprung war. Dafür nimmst Du den Tag mit der besten Zervixschleimqualität (flüssiger, spinnbar) im gesamten Zyklus. Folgen auf ihn mindestens drei Tage mit schlechterer Schleimqualität, ist er der Eisprungtag.

Es gibt Frauen, bei denen die Zervixschleimauswertung nicht funktioniert, weil es nie mindestens drei Tage mit schlechterer Qualität gibt. Dann ist diese Methode auf keinen Fall zur Verhütung ohne Hormone geeignet. Zwar hat die Zervixschleimauswertung keinerlei Nebenwirkungen, aber sie ist auch nicht wirklich zuverlässig als alleinige Verhütungsmethode.

Geeignet für: Frauen, die ihren Körper besser kennenlernen wollen und die einen sehr regelmäßigen Zyklus haben. Wer ausschließlich die Billingsmethode zur Verhütung benutzt, der sollte einem Kinderwunsch nicht vollständig abgeneigt sein.

Sicherheit: Pearl-Index 5 – 35

Kosten: Keine

Körperbeobachtung zusammen mit Hilfsmittel

Basaltemperatur-Messung / Temperaturmethode

Diese Methode gewann in den 1980er Jahren große Bekanntheit. Mithilfe der Körpertemperatur kannst Du den Eisprung erkennen. Dafür misst Du jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen die Temperatur. Am besten verwendest Du dazu eines von  diesen Basalthermometer mit 2 Kommastellen.

Schreibe täglich die Temperatur auf oder notiere Sie in einer entsprechenden App. Um den Eisprung herum, steigt die Basaltemperatur um etwa 0,5 °C an. Jetzt solltest Du keinen Sex haben oder auf jeden Fall verhüten, wenn Du nicht schwanger werden willst. Die Basaltemperatur sinkt erst wieder kurz vor der nächsten Menstruationsblutung ab. So lange brauchst Du selbstverständlich nicht abstinent zu bleiben. Circa 72 Stunden nach dem Eisprung sollten die fruchtbaren Tage vorbei sein.

Geeignet für: Frauen, die täglich daran denken, ihre Temperatur zu messen und diese auch regelmäßig dokumentieren wollen. Wer einen sehr wechselhaften Alltag hat, morgens häufig in Eile oder etwas vergesslich ist, der setzt besser auf andere Methoden.

Sicherheit: Pearl-Index 0,8 bis 3

Kosten: Kosten für das Thermometer fangen bei circa 10 Euro an.

Symptothermale Methode (NFP)

Im Rahmen der natürlichen Familienplanung (kurz NFP), die auch als symptothermale Methode bekannt ist, setzt sich die Frau mit ihrem Körper auseinander. Sie versucht dabei anhand verschiedener Kriterien zu erkennen, wann genau ihr Eisprung stattfindet und ihre fruchtbaren Tage sind. Dank dieser Wissensgrundlage handelt es sich bei der natürlichen Familienplanung nicht nur um eine hormonfreie Verhütung. Die Methode kann nämlich auch erfolgreich bei Kinderwunsch zur Verwirklichung einer Schwangerschaft genutzt werden.

Bei der symptothermalen Methode handelt es sich um die Kombination aus Temperaturmethode und Zervixschleimauswertung. Zusätzlich, um die Sicherheit zu erhöhen, kann auch noch die Beschaffenheit des Muttermundes ertastet werden. Dieser ist direkt nach der Periode eher fest, ähnlich wie die Nasenspitze und kann leicht erspürt werden. An den fruchtbaren Tagen fühlt er sich eher an wie leicht geöffnete Lippen und er liegt höher in der Scheide. Unfruchtbar ist die Frau normalerweise, wenn der Muttermund mindestens drei Tage infolge hart und geschlossen ist.

Tatsächlich funktioniert die symptothermale Methode sehr gut, was auch ein Blick auf den Pearl-Index beweist. Wirklich klasse ist, dass Du dabei verschiedene Prozesse in Deinem Körper kennenlernst. Häufig sind Sekrete und der weibliche Zyklus schambehaftet und eher mit Ekel verbunden. Das ist aber völliger Quatsch. Wir Frauen sind Naturwunder und unsere Körper leisten Großartiges. Es macht Spaß zu sehen, wie einwandfrei unser Organismus arbeitet und was er alles leistet. Ich kann diese Methode nicht nur in Bezug auf die natürliche Familienplanung und gesunde Verhütung empfehlen, sondern auch als Mittel für mehr Selbstliebe.

Geeignet für: Jede Frau, egal welchen Alters. Wichtig ist nur, dass regelmäßig gemessen und ausgewertet wird. Wem das zu lästig ist, der sollte besser eine andere Methode wählen.

Sicherheit: Pearl-Index 0,4 – 1,8 (Wenn kein Geschlechtsverkehr während der fruchtbaren Tage stattfindet oder dann auf mechanische Verhütung ohne Hormone zurückgegriffen wird)

Richtig angewendet ist die symptothermale Methode die sicherste Form der natürlichen Verhütung und sogar so sicher wie die Pille7 wie Studien nachweisen konnten8.

Kosten: Kosten für das Basalthermometer fangen bei circa 10 Euro an.

Verhütungscomputer

Verhütungscomputer werden nicht selten wie Zykluscomputer verwendet. Durch den Temperaturfühler des Verhütungscomputers wertest Du die Basaltemperatur aus. Einige Modelle zeichnen sich durch ihre praktische Multifunktionalität aus. Sie können neben der Körpertemperatur auch den Zervixschleim, Muttermund und LH-Wert messen. Die Verhütung erfolgt dann in Form der Basaltemperatur- oder symptothermalen Methode. Aber das beste an einem Verhütungscomputer ist, dass Du die Daten nicht selber  zu notieren und auszuwerten musst, sondern das Gerät für Dich die Arbeit übernimmt und Dir sehr schnell mitteilt, wann Du fruchtbar bist und wann nicht. Einige Verhütungscomputer geben auch Prognosen ab, zum Beispiel, wann die nächste Periode anfängt oder die unfruchtbaren Tage starten.

Aber Vorsicht: Auf dem Markt findest Du jede Menge Verhütungscomputer. Sie unterscheiden sich stark in ihrer Sicherheit und deshalb musst Du dabei auch stark aufpassen, für welchen Zweck Du diese Geräte benutzen willst. Einige sind hervorragend als Alternative zur Pille geeignet, von anderen solltest Du unbedingt die Finger lassen. Ich habe deshalb für Dich hier die besten Verhütungscomputer verglichen.

Geeignet für: Alle Frauen, die hormonfrei Verhütung praktizieren wollen.

Sicherheit: Pearl-Index 0,3 – 6 ( Je nach Modell weichen die Werte stark voneinander ab)

Kosten: Gute Verhütungscomputer kosten zwischen 130 und 350 Euro.

 

Lesetipps & Empfehlungen

Falls Du Dich für weiterführende Literatur zum Thema hormonfreie Verhütung interessierst, kann ich Dir nur wärmstens das Buch „Verhütung ohne Hormone: Alternativen zu Pille & Co.“ von der Gynäkologin Dorothee Struck empfehlen.

Verhüten ohne Hormone: Alternativen zu Pille und Co.
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Zuletzt aktualisiert am September 17, 2020 um 1:14 pm . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Auch über die symptothermale Methode und NFP gibt es lesenswerte Lektüre. Ich habe damals dieses Buch gelesen und kann es Dir auch empfehlen:

Natürlich & sicher - Das Praxisbuch: Familienplanung mit Sensiplan
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Wie sicher sind natürliche Verhütungsmittel?

Die Sicherheit der natürlichen Verhütungsmittel hängt von der angewandten Methode an. Der für mich interessanteste Fakt ist, dass die Symptothermale Methode, richtig durchgeführt, genauso sicher wie die Anti-Baby-Pille7 wirkt. Dies konnte durch Studien nachgewiesen werden8.

Auch Intrauterinpessare, welche der Arzt in die Gebärmutter einsetzen muss, sind zuverlässig und kommen ohne Hormone aus. Bei der richtigen Wahl des Verhütungscomputers sind Paare ebenfalls auf der sicheren Seite, was den Schutz vor einer Schwangerschaft anbelangt.

Schau Dir einfach immer den Pearl-Index der einzelnen Methoden an. Es gibt Verhütungsformen, wie die Kalendermethode, den Coitus Interruptus, die Zervixschleimauswertung etc., welche ich als Einzelmaßnahme nicht empfehle. Dagegen können sie in Kombination wieder vergleichsweise zuverlässig sein.

Gerade die natürliche Verhütung durch Körperbeobachtung ist nur so zuverlässig, wie die Anwenderin es auch ist. Es ist eine gewisse Disziplin gefragt, weil beispielsweise Temperatur und Scheidensekret täglich ausgewertet werden müssen. Um verlässliche Ergebnisse zu haben, ist ein geregelter Tagesablauf von Vorteil, bei dem die Beobachtungen immer zur selben Uhrzeit gemacht werden. Wer schludrig und vergesslich ist, einen unregelmäßigen Tag- und Nacht-Rythmus hat, bei dem können Körperbeobachtungen weniger aussagekräftig sein.

Die größten Vorteile der hormonfreien Verhütung

  • Der Körper wird nicht durch Hormone belastet.
  • Die Wirkung hormonfreier Verhütungsmethoden ist teilweise sehr sicher.
  • Es gibt so gut wie keine gesundheitliche Beeinträchtigung.
  • Leben verläuft in Balance mit dem natürlichen Bio-Rhythmus.
  • Hormonfreie Verhütung ist meist günstiger als hormonelle Verhütungsmittel.
  • Die Stimmung ist ohne zusätzliche Hormone meist besser.
  • Mehr Spaß im Bett, weil hormonelle Verhütung die Libido beeinflussen kann.
  • Häufig Gewichtsabnahme nach Absetzen der hormonellen Verhütung.

Für wen ist die Verhütung ohne Hormone nicht geeignet?

Grundsätzlich ist Verhütung ohne Hormone für jeden geeignet. Sie ist meiner Meinung nach sogar fast immer die richtige Wahl. Unser Hormonhaushalt ist empfindlich und sensibel. Eine Einmischung kann weitreichende Nebenwirkungen und Folgen haben.

Es gibt verschiedene Methoden für sie und ihn, mit denen natürlich(er) verhütet werden kann, als mittels hormoneller Eingriffe. Wenn Du Dich von Pille und Co. verabschieden willst, dann besprich das am besten mit Deinem Frauenarzt. Entscheide mit fachlicher Beratung und Deinem Partner zusammen, welche Möglichkeit für Euch am praktikabelsten ist.

Wer keine Lust hat, täglich die Temperatur zu notieren oder immer ein Kondom zu verwenden, der kann zum Beispiel die Spirale nutzen. Auch bei der hormonfreien Verhütung ist für jeden Geschmack und Typ die passende Methode dabei.

Gibt es Nachteile oder Nebenwirkungen, wenn keine Hormone bei der Verhütung eingesetzt werden?

  • Wählst Du eine unpassende Methode für Dich, kann die Nebenwirkung eine Schwangerschaft sein.
  • NFP bedarf etwas Zeit und Disziplin, weil Du Deinen Körper beobachten musst und verschiedene Prozesse schriftlich oder elektronisch festhältst.
  • Die meisten hormonfreien Verhütungsmittel schützen nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Wird die richtige hormonfreie Verhütung eingesetzt, dann gibt es keine Nachteile.

Bei der Wahl der richtigen Verhütungsmethode solltest Du nicht einfach nur Deinem Frauenarzt vertrauen. Insbesondere bei jungen Frauen wird gerne die Pille verschrieben, ohne dass ein fundiertes Beratungsgespräch stattfindet.

Vielen hormonfreien Mitteln eilt ein extrem schlechter Ruf voraus, der teilweise völlig ungerechtfertigt ist. Für Deine eigene Gesundheit und Dein Wohlbefinden ist die richtige Verhütung enorm wichtig. Lies Dich deshalb in die Thematik ein und spreche Deine Überlegungen und Bedenken offen beim Gynäkologen an. Gerade, wenn der Arzt Dein Interesse sieht, wird er Dir gerne andere Optionen als Pille, Dreimonatsspritze oder Hormonimplantat anbieten. Falls nicht, dann darfst Du Dir gerne die Meinung und den Ratschlag eines anderen Gynäkologen einholen.

Quelle und Literatur zum Thema „Verhütung ohne Hormone“:

1 Welche Verhütungsmittel bzw. -methoden benutzen Sie oder Ihr Partner momentan? Veröffentlicht von Statista Research Department, 07.06.2018, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2353/umfrage/genutzte-verhuetungsmittel-und–methoden/

2 Die Antibabypille ist Deutschlands Verhütungsmittel Nummer 1 https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/frauenmedizin/sexualitaet/tid-29407/risiko-pille-aufklaerung-zu-verhuetungsmitteln-muss-besser-werden-die-antibabypille-ist-deutschlands-verhuetungsmittel-nummer-1_aid_914776.html

3 Pearl-Index, https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index.html

4Verhütungsmethoden: Die Portiokappe, von ProFamilia: Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Reihe_Verhuetungsmethoden/portiokappe.pdf

5 Verhütungsverhalten Erwachsener 2018, https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/verhuetung/verhuetungsverhalten-2018/

6 Long-term safety, efficacy, and patient acceptability of the intrauterine Copper T-380A contraceptive device, von Bliss Kaneshiro und Tod Aeby, Int J Womens Health. 2010; 2: 211 – 220, veröffentlicht online am 9. August 2010, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2971735/

Einführung in NFP: https://www.mynfp.de/einfuehrung-in-nfp

8 P. Frank-Herrmann, J. Heil, C. Gnoth, E. Toledo, S. Baur, C. Pyper, E. Jenetzky, T. Strowitzki, G. Freundl, The effectiveness of a fertility awareness based method to avoid pregnancy in relation to a couple’s sexual behaviour during the fertile time: a prospective longitudinal study, Human Reproduction, Volume 22, Issue 5, May 2007, Pages 1310–1319, https://doi.org/10.1093/humrep/dem003

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2 Kommentare zu „Verhütung ohne Hormone: Welche Methode ist sicher?“

  1. Vielen Dank für die Weitergabe dieses Artikels über sichere Verhütungsmethoden. Meine Frau und ich suchen derzeit nach Möglichkeiten der Verhütung. Wir werden diesen Artikel berücksichtigen, wenn wir unsere Möglichkeiten zur Verhütung unter die Lupe nehmen.

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